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Ratgeber · Flexibilität

Sondertilgung: das Recht, das beim Abschluss nichts kostet

Die meisten Banken räumen kostenlose Sondertilgungen ein, wenn man sie vereinbart. Wer es versäumt, zahlt später für dieselbe Freiheit – oder bekommt sie gar nicht mehr.

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Angela RothAngela RothGeschäftsführerin & Herz von Zinskonzept
3 Min. LesezeitStand 25. August 2026

Eine Sondertilgung ist eine Zahlung, die zusätzlich zur vereinbarten Rate direkt die Restschuld verringert. Sie kostet nichts, wenn das Recht im Darlehensvertrag steht, und sie ist einer der wirksamsten Hebel, die Du über die Laufzeit in der Hand behältst. Dieser Beitrag zeigt die üblichen Grenzen, rechnet die Wirkung durch und beantwortet die Frage, die dahinter steht: tilgen oder anlegen?

Was üblich ist

Marktüblich ist ein Sondertilgungsrecht von 5 % der ursprünglichen Darlehenssumme pro Jahr, kostenlos, wenn es beim Abschluss vereinbart wird. Einige Banken bieten 10 % an, manche gestaffelt oder gegen einen minimalen Zinsaufschlag im Bereich weniger Basispunkte.

  • Bemessungsgrundlage ist in der Regel die ursprüngliche Darlehenssumme, nicht die aktuelle Restschuld.
  • Nicht genutzte Kontingente verfallen meist zum Jahresende und sind nicht übertragbar.
  • Häufig gibt es einen Stichtag im Jahr, zu dem die Zahlung eingehen muss.
  • Über das vereinbarte Kontingent hinaus kann die Bank eine Vorfälligkeitsentschädigung verlangen.

Wie stark eine Sondertilgung wirkt

SondertilgungRestschuld nach 10 JahrenErsparnis gegenüber ohneSchuldenfrei nach
keine≈ 232.000 €rund 30 Jahren
3.000 € pro Jahr≈ 195.000 €≈ 37.000 € weniger Restschuldrund 24 Jahren
6.000 € pro Jahr≈ 158.000 €≈ 74.000 € weniger Restschuldrund 21 Jahren
einmalig 30.000 € im Jahr 3≈ 194.000 €≈ 38.000 € weniger Restschuldrund 25 Jahren
Beispielrechnung: 300.000 € Darlehen, 4,0 % Sollzins, 2,0 % Anfangstilgung. Unverbindliche Beispielrechnung, kein Finanzierungsangebot im Sinne des § 34i GewO. Eigene Zahlen rechnest Du im Tilgungsrechner durch.

Bemerkenswert ist die letzte Zeile: Eine einmalige Zahlung von 30.000 € im dritten Jahr wirkt fast so stark wie zehn Jahre lang jeweils 3.000 €. Der Grund ist der Zeitpunkt – früh getilgtes Kapital spart Zinsen über die gesamte Restlaufzeit.

Tilgen oder anlegen?

Eine Sondertilgung ist eine risikofreie Rendite in Höhe Deines Sollzinses: Jeder getilgte Euro spart genau diesen Zins, garantiert und steuerfrei. Eine Geldanlage muss nach Steuern und nach Kosten mehr bringen, um die Sondertilgung zu schlagen – und sie muss es sicher bringen, nicht nur im Erwartungswert.

  1. Zuerst teurere Schulden tilgen: Dispo, Konsumkredite, Autofinanzierung liegen fast immer über dem Baufinanzierungszins.
  2. Liquiditätspuffer auffüllen, bevor Geld unwiderruflich ins Darlehen fließt – getilgtes Geld ist nicht mehr verfügbar.
  3. Danach Sondertilgung gegen Anlage abwägen, netto nach Steuern und Kosten.
  4. Arbeitgeberzulagen und Förderungen mitnehmen, bevor freiwillig getilgt wird.

Der zweite Punkt ist der, der am häufigsten übersehen wird. Eine Sondertilgung lässt sich nicht rückgängig machen. Wer sein gesamtes Erspartes ins Darlehen gibt und danach eine neue Heizung braucht, finanziert diese zu Konsumkreditkonditionen – und hat unterm Strich verloren.

Wann im Jahr die Zahlung wirkt

Eine Sondertilgung wirkt ab dem Tag, an dem sie verbucht wird. Wer sie im Januar leistet, spart elf Monate mehr Zinsen als bei einer Zahlung im Dezember. Bei 6.000 € und einem angenommenen Sollzins von 4 % sind das rund 220 € allein im ersten Jahr – jedes Jahr aufs Neue.

  • Prüfe im Vertrag, ob ein fester Stichtag gilt oder jederzeit gezahlt werden kann.
  • Kündige die Zahlung an, wenn die Bank das verlangt; eine unangekündigte Überweisung wird sonst als normale Ratenzahlung verbucht.
  • Lass Dir bestätigen, ob die Laufzeit verkürzt oder die Rate gesenkt wird – die Voreinstellung ist nicht bei allen Banken gleich.
  • Bewahre den Nachweis auf: Für die Anschlussfinanzierung ist die tatsächliche Restschuld die Verhandlungsgrundlage.

Ein praktischer Weg für Menschen mit schwankendem Einkommen: nicht auf eine große Jahreszahlung sparen, sondern früh im Jahr den sicher verfügbaren Teil leisten und den Rest später nachlegen, sofern der Vertrag mehrere Zahlungen zulässt.

Sondertilgung und Anschlussfinanzierung

Zum Ende der Zinsbindung ist das Darlehen frei rückzahlbar: Du kannst dann jeden beliebigen Betrag einbringen, nicht nur das jährliche Kontingent. Wer eine größere Summe erwartet – Erbschaft, Auszahlung, Verkauf – kann sie gezielt auf diesen Termin legen und muss nicht über Jahre in 5-Prozent-Schritten tilgen.

Dasselbe gilt für den Termin zehn Jahre nach Vollauszahlung: Ab dann besteht das gesetzliche Kündigungsrecht nach § 489 BGB, und auch dort ist eine vollständige oder teilweise Ablösung ohne Vorfälligkeitsentschädigung möglich.

Häufige Fragen: Sondertilgung

5 % der ursprünglichen Darlehenssumme pro Jahr, kostenlos, wenn beim Abschluss vereinbart. Manche Banken bieten mehr, teils gegen einen kleinen Zinsaufschlag.

Es verfällt in der Regel zum Jahresende und ist nicht auf das Folgejahr übertragbar. Prüfe im Vertrag, ob ein Stichtag gilt, bis zu dem die Zahlung eingegangen sein muss.

Standardmäßig die Laufzeit: Die Rate bleibt gleich, das Darlehen ist früher getilgt. Viele Banken bieten alternativ eine Rateneduzierung an – das ist meist die schwächere Variante, weil weniger Zinsen gespart werden.

Die Sondertilgung bringt eine risikofreie, steuerfreie Rendite in Höhe Deines Sollzinses. Eine Anlage muss nach Steuern und Kosten sicher mehr bringen, um besser zu sein. Vorher gilt aber: teurere Schulden tilgen und Liquiditätspuffer halten.

Nur mit Zustimmung der Bank, die dafür eine Vorfälligkeitsentschädigung nach § 502 BGB verlangen kann. Ohne Zusatzkosten geht das erst zum Ende der Zinsbindung oder ab dem Kündigungsrecht nach zehn Jahren.

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